Den folgenden Text mit dem damaligen Arbeitstitel »Gold« hab’ ich gerade aus einem riesen Haufen an Dateien ausgegraben. Bis jetzt wollte ich ihn eigentlich nie online stellen, da er völlig unfertig und aussagelos ist, aber da ich inzwischen zu der Einsicht gekommen bin, dass ich den Text sowieso niemals fertig schreiben werde, darf er nun meine Homepage schmücken..
vom 15. März 2009:
„Finanzkrise“, hat der Mann im Radio gesagt und der Bleibichl hat auf den Tisch gehaut. Nicht fest, nicht wirklich fest, aber doch irgendwie empört, und doch irgendwie zornig, und das hat er da eben auch gezeigt. Hat sich quasi Luft machen müssen.
Ich hab ihn nur mal finster angeschaut. Im ersten Moment. Nicht, weil mich das auf den Tisch hauen so gestört hätte oder weil ich vielleicht noch Angst um den Tisch gehabt hätte, nein, das wäre ja noch schöner. Ganz anders – weil mein Glas bedrohlich gewackelt hat.
Wobei ja auch da eher weniger das Glas als eher sein Inhalt, also nicht bedrohlich gewackelt sondern äußert bedrohlich geschwappt hat.
Das Tischtuch hat im Endeffekt natürlich nichts abbekommen, aber im ersten Moment weiß man ja nie. Vor allem ich wusste nicht. Weil Bleibichl wusste, wo die Grenze ist, wie weit er gehen und sich quasi Luft verschaffen kann, und hatte ja auch gar nicht vor, hier etwa zu randalieren oder vergleichbares. Nur ich hab es eben nicht gewusst, nicht gleich, und das hätte mich im Endeffekt dann auch fast die Beherrschung gekostet.
Hab ich dann aber statt der Beherrschung lieber doch meinen Apfelsaft. Also – gekostet. Der war ja davor gerade noch ganz voll, und eben da hat er auf den Tisch gehaut, der liebe Bleibichl.
Der war aber eh vernünftig, wobei ich jetzt nicht darauf wetten würde, dass er so vernünftig war, weil er ein vernünftiger Typ ist, oder doch eher, weil auch sein Apfelsaft noch ungekostet war. Also auch randvoll, wie meiner. Nur, dass meiner auch noch ein wenig gesprudelt hat, weil ich meinen nämlich mit Mineral bestellt hatte und er seinen mit Leitungswasser.
Wobei sich der Bleibichl ja im Nachhinein dann doch lieber etwas Alkoholisches bestellt hätte, hat er mir erklärt. Nachhinein war aber zu spät – im Vorhinein hätte er das wissen müssen. Hab ich ihm zwar lieber nicht gesagt, weil man weiß ja nie, im hintersten Teil seines Gehirnes denkt man ja doch noch an das schöne weiße Tischtuch und wie die Sache schlimmstenfalls enden könnte, wenn der Bleibichl jetzt doch noch so richtig zornig statt so halb empört wird, aber gedacht hab ich es. Nicht im hintersten Teil meines Gehirnes, weil der war im Moment eher bei Tischtüchern und Apfelsaft oder sogar eventuellen Weinflecken oder je nachdem was sich der Bleibichl hätte bestellt haben können wenn er im Vorhinein gewusst hätte dass er haben will oder wollen könnte für Flecken, sondern eher weiter Vorne, ein bisschen.
Wobei er das wahrscheinlich eh auch selber gewusst hat. Aber bestätigt hab ich ihm das nicht, nein, diesen Gefallen hab ich ihm nicht getan.
Jedenfalls hab ich das ganze gut nachvollziehen können. Nicht die Sache mit dem Alkohol, also schon auch, aber nicht ausschließlich. Eher eigentlich die Sache mit dem auf den Tisch hauen und dem empört sein.
Weil uns die Finanzkrise jetzt schon nervt. Und das wollte der Bleibichl ja auch sagen. Anders hätte er das aber auch sagen können, könnte man meinen, vor allem, weil vom Sagen per se ja nicht viel zu merken war. Aber er hat entschlossen genug auf den Tisch gehaut, um sich selbst das Sagen vorweg zu nehmen.
Das war dann einfach nicht mehr nötig, weil wir dadurch natürlich Bescheid gewusst haben. Wir, das waren in dem Fall mein Apfelsaft und ich, denn sonst war zurzeit niemand im Raum. Also, außer dem Bleibichl, natürlich.
Gewusst haben wir also, während wir geschwappt und gedacht – also er, der Apfelsaft, geschwappt, und ich gedacht – haben, was er meint. Dass das nervige an dieser so gerne genannten „Finanzkrise“ weniger die Krise noch eigentlich die eigentlichen Finanzen per se seien, sondern eher die Medien, die die Finanzen zur Krise hochdramatisieren.
Also, über die Authentizität dieser Berichte kann man jetzt natürlich streiten. Das Variiert klarer Weise vom Einen zum Anderen. Vom einen zum anderen Bericht, aber auch Betrachter. Weil woran misst sich denn sonst ein Bericht als an dem Resultat am Betrachter, also der Zielgruppe?
Subjektivität nennt sich das jedenfalls, in gewissem Sinne. Ob die Krise auch ohne Medien wäre oder ob die Finanzen erst durch die Medien zur Krise, also die Medien durch eine Medienkrisenberichterstattung die nicht vorhandene Krise in der Finanzwelt zu einer tatsächlichen finanziellen Bedrohung aufgeschaukelt haben, oder ob die Medienkrisenberichterstattung nur eine Wiedergabe der in der Finanzwelt durch die Finanzen und falsche Finanzierung verursachten Krise war. Objektiv wüsste ich da eigentlich gar nicht, aber subjektiv gibt das natürlich allemal genügend Grund um empört zu sein. Und zwar so richtig. Da hat sich der Bleibichl also eh noch halbwegs zusammen gerissen.
Obwohl er da gar nicht alleine war. Mich hat es in genau diesem Moment auch ordentlich gerissen, auch zusammen: Zusammen gezuckt bin ich. Nicht unbedingt wegen dem leicht empörten Schlag auf den Tisch, der dazu diente, etwas, das es zu Sagen gegolten hätte gar nicht erst sagen zu müssen, sondern eher auch wegen diesem Wort. Finanzkrise. Wie das einem schon von der ersten Silbe weg im Hals stecken bleiben will. Bei finanziellen Dingen fängt man ja immer schnell zu schlucken an. Aber da, da wird einem der Mund ganz trocken.
Bevor ich meine Überlegungen aber noch weiter habe führen können, hat der Bleibichl angefangen zu begründen:
Tags: ALLERLEI, finanzkrise